Tracking

GPS via Mobilfunk und Satellit

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Blues NoteCard

„Wir freuen uns, heute die Verfügbarkeit von Notecard für Skylo bekannt zu geben – eine Premiere für Blues und die Branche für drahtlose Konnektivität“, sagt Rob Lauer von Blues über das Modul, das diese Woche auf der Embedded World 2026 in Nürnberg vorgestellt wurde. „Mit Mobilfunk, WLAN und Satellit in einem einzigen Notecard-Design ist es das einzige Modul, das all diese Funktionen mit gebündelten Daten und ohne monatliche Gebühren kombiniert.“

Satelliten-IoT hatte immer dasselbe Problem: Die Hardware ist teuer, die Abonnements sind schmerzhaft, und die Module sind so groß, dass sie ein eigenes Projektgehäuse brauchen. Wer einen Tracker wollte, der bei fehlender Mobilfunkabdeckung auf einen Satelliten zurückgreifen kann, musste mit mehreren Hundert Euro für die Hardware plus 20–50 $ monatlichen Abogebühren pro Gerät rechnen — noch bevor ein einziges Byte übertragen wurde.

Blues hat die Kostenrechnung auf der Abonnement-Seite vor einigen Jahren mit ihrer Notecard-Plattform verändert. Jetzt haben sie mit der Notecard for Skylo auch das Hardware-Problem gelöst — und das Ergebnis ist für alle, die GPS-Tracking-Produkte entwickeln, wirklich interessant.

Was steckt dahinter

Die Notecard for Skylo (Modell NOTE-NBGLWX) ist ein einzelnes M.2-Modul mit den Maßen 42 × 30 mm — ungefähr so groß wie eine große Briefmarke — und integriert vier verschiedene Konnektivitätssysteme in einem einzigen Stück Silizium:

  • WLAN (2,4 GHz) — über Silicon Labs WFM200S, integrierte Keramikantenne, keine externe Antenne erforderlich
  • Mobilfunk LTE-M / NB-IoT / GPRS — über Quectel BG95-S5, eingebettete MFF2-SIM inklusive, 500 MB Datenvolumen für 10 Jahre im Lieferumfang
  • 5G-NTN-Satellit (Skylo) — gleiches Quectel-Modem, u.FL-Antennenanschluss, 10 KB Satellitendaten inklusive, danach nutzungsbasierte Abrechnung
  • GNSS — GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS, u.FL-Antennenanschluss

Außerdem ist ein LIS2DTW-Beschleunigungssensor integriert — das ist für das Tracker-Design entscheidend: Das Modul erkennt Bewegungen autonom und aktiviert GPS und Funksysteme nur dann, wenn sich das Gerät tatsächlich bewegt. Im Ruhezustand verbraucht es unter 8 Mikroampere. Das ist der Unterschied zwischen zwei Wochen und sechs Monaten Akkulaufzeit.

Kein Host-Mikrocontroller für einfaches Tracking erforderlich. Die Notecard for Skylo kann GPS-Daten autonom erfassen und übertragen — konfiguriert mit lediglich drei JSON-Befehlen über USB-C. Ein Host-MCU wird nur benötigt, wenn benutzerdefinierte Firmware-Logik wie Geofencing oder Sensorintegration gewünscht ist.

Warum die Satellitenfähigkeit echt ist

Die natürliche Reaktion, wenn man etwas so Kleines als satellitenfähig beschrieben sieht, ist Skepsis. Das ist verständlich. Klären wir es direkt.

Skylo nutzt geostationäre Satelliten in 35.786 km Höhe über dem Äquator — aber diese Satelliten tragen riesige, hochempfindliche Empfangsanlagen. Das Bodengerät muss nicht leistungsstark sein, weil der Satellit die schwere Arbeit auf der Empfangsseite übernimmt. Das ist dasselbe Prinzip wie bei GPS: Die Chipantenne Ihres Smartphones empfängt Signale von Satelliten in 20.000 km Entfernung.

Noch wichtiger: Das Quectel BG95-S5-Modem im Kern dieses Moduls wurde von Grund auf für 5G NTN (Non-Terrestrial Networks) entwickelt — den 3GPP-Standard, der speziell entwickelt wurde, um Satellitenkommunikation mit kleinen, energieeffizienten Erdgeräten zu ermöglichen. Es ist kein Mobilfunkchip, der nachträglich für Satelliten angepasst wurde. Er ist zweckgebaut dafür.

Die praktische Einschränkung: Übertragungssitzungen dauern 2–10 Minuten statt Millisekunden, das Modul benötigt freie Sicht auf den Himmel in Richtung Äquator, und der Spitzenstrom während einer Satellitenübertragung erreicht 400–600 mA — deshalb ist der LiPo-Akku wichtig. Aber für einen GPS-Tracker, der einmal pro Stunde einen Standort-Ping sendet, sind das keine Hindernisse.

Die Frage ist nicht, ob das Signal den Satelliten erreicht. Die Einschränkung ist, dass man 50–256 Bytes auf einmal sendet, nicht streamt. Für GPS-Koordinaten reicht das mehr als aus.

Die Satelliten-Kostenstruktur erklärt

Hier wird es für Produktentwickler interessant. Es gibt kein monatliches Satelliten-Abonnement. Die Skylo-Preisgestaltung funktioniert so:

$0,00075
Pro Byte über Satellit
Nutzungsbasiert, monatl. abgerechnet
$0,0375
Mindestkosten pro Ping
50 Byte Minimum × $0,00075
10 KB
Inklusive Satellitenvolumen
~204 kostenlose Pings (50-Byte-Min.)

Eine kompakte GPS-Standortnutzlast — Breitengrad, Längengrad, Genauigkeit — passt bei Verwendung des erforderlichen Compact-Template-Formats der Notecard in unter 50 Bytes. Das bedeutet: Jeder Satelliten-Ping kostet genau $0,0375 — die Mindestabrechnung. Für einen Tracker, der Satellit nur dann nutzt, wenn er wirklich offline ist (außerhalb von WLAN- und Mobilfunkabdeckung), liegen die monatlichen Satellitenkosten in den meisten realen Szenarien zwischen 0 € und wenigen Euro.

Zum Vergleich: Traditionelle Satelliten-IoT-Plattformen berechnen häufig 25–50 $ pro Gerät und Monat, unabhängig von der Nutzung. Der Unterschied ist strukturell: Blues berechnet nur dann Kosten, wenn der Satellit tatsächlich genutzt wird — und 204 kostenlose Pings sind im Gerätekauf enthalten.

Was kostet es in der Praxis pro Monat?

Szenario Primärnetz Gesch. Monatskosten
Stadttracker — Fahrzeug, Lieferdienst, Haustier. Immer in WLAN- oder Mobilfunkreichweite. WLAN / Mobilfunk 0,00 €
Gemischt Stadt/Land — LKW, Boot, gelegentlich abgelegen. ~10 Satelliten-Pings/Monat. Mobilfunk, Sat als Fallback ~0,35 €
Täglicher Satelliten-Check-in — entferntes Asset, einmal täglich nur per Satellit. Satellit primär ~1,05 €
Stündliches Satelliten-Tracking — keinerlei Mobilfunkabdeckung, vollständig abgelegen. Nur Satellit ~25 €
Bewegungsausgelöst — sendet nur bei erkannter Bewegung. Mobilfunk primär. WLAN / Mobilfunk 0–0,18 €

Kein Abonnement, keine monatlichen Mindestgebühren. Das Mobilfunk-Datenvolumen von 500 MB ist für 10 Jahre inklusive. Satelliten-Mehrverbrauch wird nur berechnet, wenn das enthaltene 10-KB-Kontingent überschritten wird. Für einen Tracker, der hauptsächlich in städtischen oder vorstädtischen Gebieten betrieben wird, sind die laufenden Kosten faktisch null.

Was man zum Bauen braucht

Die minimale Hardware-Liste für einen funktionierenden GPS-Tracker ist bewusst kurz gehalten. Es wird kein Host-Mikrocontroller benötigt — nur das Modul, ein Trägerboard mit Akkuladeeinheit, ein LiPo-Akku und ein Gehäuse.

# Komponente Bezugsquelle Preis
01 Notecard for Skylo (NOTE-NBGLWX)
Mobilfunk + WLAN + Satellit + GNSS · beide Antennen inklusive · eingebettete SIM · 500 MB Mobilfunk + 10 KB Satellitendaten enthalten
shop.blues.com ↗ 89,00 $
02 Notecarrier X Trägerplatine
66×38 mm · USB-C · LiPo-Ladeeinheit · Qwiic I2C · externer SIM-Slot · kompatibel mit allen Notecards
shop.blues.com ↗ 10,00 $
03 LiPo-Akku 2000 mAh 3,7 V (JST PH 2-polig)
Aufladbar über USB-C am Trägerboard · geschätzte 3–6 Monate Akkulaufzeit bei stündlichen Pings
SparkFun ↗ / Adafruit ↗ ~12,00 $
04 IP65-Gehäuse aus ABS (~70×45×25 mm)
Kunststoffgehäuse — transparent für alle Funksignale, Antennen bleiben innen, vollständig versiegelt
Mouser ↗ ~6,00 $
05 USB-C-Datenkabel
Nur für die Ersteinrichtung — muss Datenübertragung unterstützen, kein reines Ladekabel. Chrome oder Edge erforderlich.
Beliebig ~5,00 $
Gesamt ~122 $

Physische Abmessungen

Die Notecarrier X Platine misst 66 × 38 mm. Mit einem 2000-mAh-LiPo daneben und einem ABS-Gehäuse kommt der fertige Tracker auf ca. 80 × 40 × 20 mm — kleiner als die meisten Autoschlüssel, etwa 50–70 Gramm. Klein genug, um ihn in einem Fahrzeug zu verstecken, in Fracht einzubauen oder an engen Montagepositionen anzubringen, die herkömmliche Tracker nicht erreichen.

Die Antennen (zwei dünne flexible Streifen) liegen flach an der Innenwand des Kunststoffgehäuses — keine externen Antennen, keine Bohrungen erforderlich. ABS-Kunststoff ist für Funkfrequenzen transparent, sodass Mobilfunk, WLAN und GNSS normal durch das Gehäuse funktionieren.

Konfiguration mit drei Befehlen

Hier zeigt sich, was die Notecard-Plattform von reiner Modem-Entwicklung unterscheidet. Es werden keine AT-Befehle geschrieben, keine Netzwerkregistrierung verwaltet. Man sendet einfaches JSON über USB-C, und das Gerät kümmert sich um alles — Netzwerkauswahl, Datenkomprimierung, Cloud-Routing. Die gesamte autonome Tracking-Konfiguration besteht aus drei Zeilen:

Einrichtungsbefehle — einmalig über USB-C-Terminal ausführen
// 1. Mit Notehub-Cloud-Projekt verbinden
{"req":"hub.set","product":"com.ihre.domain:projekt","mode":"periodic"}
// 2. GPS aktivieren — stündlich, bewegungsgesteuert über integrierten Beschleunigungssensor
{"req":"card.location.mode","mode":"periodic","seconds":3600}
// 3. Fallback-Priorität setzen: WLAN → Mobilfunk → Satellit
{"req":"card.transport","method":"wifi-cell-ntn"}

Nach diesen drei Befehlen das USB-Kabel trennen. Das Gerät arbeitet vollständig autonom — Standort-Events erscheinen im Notehub-Dashboard und können ohne zusätzliche Gerätekonfiguration an AWS IoT, Azure, MQTT, Google Cloud oder jeden REST-Webhook weitergeleitet werden.

Akkulaufzeit — was realistisch zu erwarten ist

Die Zahlen sind beeindruckend, getrieben von zwei Designentscheidungen: dem Sub-8-µA-Ruhestrom der Notecard und dem integrierten Beschleunigungssensor, der GPS- und Funkaktivierung ausschließlich auf Bewegungsereignisse beschränkt.

Betriebsmodus Ø Stromaufnahme Laufzeit (2000 mAh)
Mobilfunk als Primärnetz
Stündlicher GPS-Ping + Mobilfunk ~0,5 mA Ø 3–6 Monate
15-min-GPS-Ping + Mobilfunk ~1,5 mA Ø 4–6 Wochen
Nur bei Bewegung (empfohlen) <0,1 mA Ø 6–12+ Monate
Satellit als Primärnetz
Stündliche Satelliten-Pings ~3–5 mA Ø 2–3 Wochen
Täglicher Satelliten-Check-in Sehr niedrig Ø Mehrere Monate

Für die meisten Tracking-Anwendungen — Fahrzeugortung, Frachtlogistik, Asset-Monitoring in städtischen oder vorstädtischen Umgebungen — decken bewegungsgesteuerte Mobilfunk-Pings 95 % der Betriebszeit ab, während der Satellit rein als Notfall-Fallback fungiert. Bei diesem Duty Cycle kann ein 2000-mAh-LiPo realistisch gut über sechs Monate zwischen den Ladezyklen halten.

Was das für Tracking-Produkte bedeutet

Bei Mapaho Labs betrachten wir Tracking sowohl von der Hardware- als auch von der Produktseite. Beim diesem Release stechen einige Punkte hervor:

  • Das Abo-freie Modell ist wirklich disruptiv. Jedes Mobilfunk-IoT-Produkt, das wir bisher bewertet haben, bringt monatliche Gerätegebühren mit. Das 10-Jahres-Datenpaket der Notecard und die nutzungsbasierte Satellitenabrechnung sind eine fundamental andere Kostenstruktur — eine, die Klein- und Nischendeployments ohne das übliche Abo-Risiko rentabel macht.
  • Satellit als Fallback statt als Primärnetz ist die richtige Architektur. Die meisten Tracking-Szenarien brauchen keinen Satelliten. Aber die, die ihn brauchen — Offshore-Fracht, ländliche Maschinen, Fahrzeugortung in abgelegenen Gebieten — brauchen ihn dringend. Ihn als automatischen Fallback zu haben, ohne separates Modul oder Abonnement, ist ein echter Mehrwert.
  • Der Formfaktor ermöglicht neue Gehäusedesigns. Eine 66 × 38 mm große Trägerplatine mit allem Integrierten ist klein genug für Formfaktoren, die bisher nicht trackbar waren: dünnere Frachteinsätze, engere Fahrzeugmontagepositionen, kleinere Geräte insgesamt.
  • Der integrierte Beschleunigungssensor verändert die Akku-Kalkulation. Bewegungsgesteuertes GPS ist der Unterschied zwischen einem Gerät, das Wochen hält, und einem, das Monate hält. Es auf Modulebene integriert zu haben, bedeutet, dass man es nicht selbst designen muss.

Ein wichtiger Hinweis vorab: NTN-Satellitenkommunikation erfordert kompakte Notefile-Templates, die zunächst über Mobilfunk mit Notehub synchronisiert werden müssen, bevor der Satellit genutzt werden kann. Man kann mit einem frischen Gerät nicht direkt auf den Satelliten zugreifen — eine erste Mobilfunk-Synchronisierung ist Pflicht. Das Modul benötigt außerdem einen GPS-Fix und freie Sicht zum äquatorialen Himmel, bevor eine Satellitenübertragung gelingen kann.

Verfügbarkeit und Einstieg

Die Notecard for Skylo ist ab sofort verfügbar im Blues-Shop für 89 $, der Notecarrier X für 10 $ und der Notecarrier CX (mit integriertem STM32-MCU für eigene Firmware) für 17,50 $. Blues liefert international.

Der offizielle Quickstart-Guide führt durch den gesamten Prozess bis zum ersten Satelliten-Ping in 40–50 Minuten. Das browserbasierte Terminal ermöglicht eine Evaluierung der Cloud-Plattform mit einem Simulator, noch bevor Hardware bestellt wird. Für ein Produktteam, das dies für einen konkreten Anwendungsfall bewertet: Der ehrliche Rat lautet, das Modul zu bestellen, einen Nachmittag mit dem Quickstart zu verbringen und den Mobilfunk- sowie Satelliten-Fallback in der eigenen Zielumgebung zu testen, bevor man es in die Serienproduktion bringt.

Die eigentliche Variable ist die Skylo-Satellitenabdeckung in der Zielregion — das sollte anhand der Abdeckungskarte auf skylo.tech geprüft werden, bevor man sich festlegt.

Ressourcen & Weiterführende Links

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Mapaho Labs
Research & Development · Tracking Technology
Mapaho Labs is the R&D division of PalmGroup.eu, focused on next-generation tracking, privacy technology, and connected hardware. We evaluate, build, and sometimes ship products at the intersection of IoT and operational security.